HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
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Phytoöstrogene ©  

 Phytoöstrogene in den Wechseljahren 


Phytoöstrogene: Einleitung

Die Wechseljahre führen bei Frauen, aber auch bei Männern zu Veränderungen, die für den Einzelnen unterschiedlich ausfallen und unterschiedlich intensiv erlebt werden, in der Regel aber mit einer mehr oder minder deutlichen Verminderung der Lebensqualität einhergehen.

Zu den Veränderungen zählen Osteoporose, Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Depressionen, Veränderungen von Haut und Schleimhäuten, Harnblasenschwäche, Gewichtszunahme und Zunahme von Herzkreislauf-Erkrankungen. Vielen Frauen wurde mit Beginn der Wechseljahre deshalb eine Hormoneinnahme empfohlen.  

In den letzten Jahren haben die Erkenntnisse zugenommen, dass diese künstliche Hormonzufuhr auch ihre Schattenseiten hat, insbesondere wurde bekannt, dass bei längerfristiger Einnahme von Hormonen die Gefahr der Entwicklung einer Brustkrebs- oder Gebärmutterkrankung zunimmt. 

Dies ist der Grund, warum viele Frauen heute eine Hormoneinnahme vermeiden, leider dafür aber auch die oben genannten Folgeerscheinungen der Wechseljahre in Kauf nehmen.

Was sind Phytoöstrogene ?

Hormone stellen im menschlichen Körper Steuerungshormone dar, die bestimmte Stoffwechselvorgänge fördern und auf ganz verschiedene Organe einwirken. 

In der Erfahrungsheilkunde wurden verschiedene Pflanzen entdeckt, die die Beschwerden durch den Ausfall von Hormonen lindern können. In der Folge hat die Forschung gezeigt, dass viele dieser Pflanzen Substanzen enthalten, die östrogenähnlich sind und damit im Körper teilweise die Funktion von Östrogen übernehmen können.

Bisher wurden keine Substanzen entdeckt, die dem ebenfalls weiblichen Geschlechtshormon Gestagen oder dem männlichen Testosteron gleichen. 

Die bekanntesten phytoöstrogen enthaltende Pflanzen sind die Traubensilberkerze (Cimicifuga), Soja und Rotklee.

Einsatz der Phytoöstrogene 

Hauptsächlich wurden Phytoöstrogene bisher bei der Frau gegen Hitzewallungen eingesetzt. Es gibt bisher aber nur wenige wissenschaftlich korrekt durchgeführte Studien, die die Wirksamkeit belegen. Zu beachten ist, dass auch die Gabe eines Placebos, also eines Scheinmedikamentes, bei 20 % der Patientinnen zu Besserungen führt. 

Die Erfolgsrate bei Phytoöstrogene n wird je nach Präparat mit 30-40% angegeben, wobei die besten Daten derzeit für Extrakte der Traubensilberkerze vorliegen. Die Ergebnisse beim Einsatz von Rotkleeextrakten oder Sojaextrakten (Inhaltstoff Isoflavone) sind widersprüchlich. 

Eine Behandlung der männlichen Hormonausfallserscheinungen mit pflanzlichen Hormonen ist bisher nicht bekannt. 

Welche weiteren naturheilkundlichen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Wechseljahrsbeschwerden?

Hitzewallungen können sehr gut mit hochdosiertem Salbeiextrakt oder reichlichem Konsum von Salbeitee behandelt werden.

Zur Verhinderung einer Osteoporose empfiehlt sich die Einnahme einer calciumreichen Ernährung oder von Calciumpräparaten, kombiniert mit Vitamin D und körperlicher Bewegung am Tageslicht. 

Bei Extrakten der Traubensilberkerze konnte auch eine positive Beeinflussung der Osteoporoseentwicklung nachgewiesen werden. Wie dies bei Präparaten, die keine östrogenartige Wirkung entfalten, zu erklären ist, kann noch nicht entschieden werden. 

Gegen Schlafstörungen können gezielt pflanzliche Präparate wie Baldrian, Hopfen und Lavendel eingesetzt werden, letzteres auch in Form von abendlichen Lavendelfußbädern.

Auch eine Besserung der nächtlichen Hitzewallungen nachts kann zu einer Verbesserung von Schlafstörungen beitragen. 

Die durch den Hormonausfall mit verursachte Depression kann durch Johanniskraut positiv beeinflusst werden, hierbei sollte bei den Präparaten auf eine ausreichende Dosierung geachtet werden. Leichtere Stimmungsschwankungen und Depressionen können auch durch regelmäßige Bewegung und Sport ausgeglichen werden.

Über die Einnahme von Johanniskraut-Präparaten sollten Sie auf jeden Fall Ihren Arzt informieren, da es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geben kann, die die Wirkung der Medikamente verstärken oder abschwächen, so dass dies unbedingt berücksichtigt werden sollte. 

Bei Schleimhautveränderungen im Unterleibsbereich können Zäpfchen, die die natürliche Flora zuführen, hilfreich sein. 

Eine Patientin/ein Patient sollte sich jedoch nicht scheuen, diese Beschwerden auch mit ihrem/seinem Hausarzt, Gynäkologen oder Urologen zu besprechen und (wenn die naturheilkundliche Behandlung nicht ausreichend anschlägt) auch über eine medikamentöse Therapie nachzudenken. 

Einnahme von Phytoöstrogene n und Krebserkrankungen

Es konnte in vielen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass die regelmäßige Zufuhr von phytoöstrogenreichen Nahrungsmitteln beim Mann vor der Entwicklung von Prostatakrebs schützt. Dies wird insbesondere deutlich durch die sehr niedrige Rate an Prostatakrebs bei Männern aus dem asiatischen Raum, wo traditionell Sojaprodukte einen hohen Anteil der Eiweißzufuhr darstellen. Vorteil dieser Prophylaxe besteht darin, dass die Phytoöstrogene beim Mann keine östrogenartige Wirkung mit sichtbaren Auswirkungen oder Einschränkungen des Erlebens entfalten. 

Die regelmäßige Zufuhr von Phytoöstrogene n ab dem jugendlichen Alter und bei der Frau führt zu einem Schutz vor der späteren Entwicklung von Brustkrebs. Ob auch andere weibliche Geschlechtsorgane wie Gebärmutter und Eierstöcke geschützt werden, konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. 

Die Erklärung ist, dass Phytoöstrogene schwache Östrogene sind, die bei regelmäßiger Zufuhr die eigentlichen Östrogene vom Rezeptor verdrängen. Außerdem kommt es zu einer höheren Bindung von Östrogenen an Transportproteine. Damit wird ein Wachstumsreiz auf sich entwickelnde Tumorzellen vermindert. 

Was ist zur Zufuhr von Phytoöstrogene n bei Patientinnen bei Brustkrebs zu sagen ?

Bei Patientinnen mit Brustkrebs muss unterschieden werden, ob die Krebserkrankung rezeptorpositiv oder –negativ ist, d. h. ob die Krebszellen durch die Bindung von Östrogenen auf Rezeptoren an der Oberfläche stimuliert werden (positiv) oder ob dies nicht erfolgt (negativ). 

Phytoöstrogene bei Patientinnen mit rezeptornegativen Brustkrebs sind sicherlich unschädlich. 

Problematischer ist die Einschätzung bei Patientinnen mit rezeptorpositiven Brustkrebs. Diese Patientinnen werden in der Regel nach Abschluss der primären Therapie über mehrere Jahre gezielt antihormonell behandelt, um positive Östrogeneinwirkungen auf evtl. im Körper verbliebene schlafende Tumorzellen zu verhindern. In dieser Situation könnte die schwache, aber nachweisbare Wirkung der Phytoöstrogene durchaus einen positiven Wachstumsreiz darstellen. 

Diese schwierig zu entscheidende Frage wurde bisher nur teilweise in wissenschaftlichen Studien untersucht. Laborexperimente an Tumorzellen zeigen, dass Sojaextrakt und Rotklee-Extrakt in der Lage sind, Tumorzellen gezielt im Wachstum zu stimulieren. Extrakte der Traubensilberkerze, die analytisch ebenfalls Phytoöstrogene enthalten haben dies in den bisher untersuchten Pflanzenextrakten jedoch nicht getan. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass Extrakte aus der Traubensilberkerze chemisch auf verschiedenen Wegen hergestellt werden können, so dass der Gehalt an Phytoöstrogene n in den jeweiligen Medikamenten unterschiedlich ist. 

Es gibt mindestens ein Präparat (Remifemin®), das nachweislich keine Stimulation oder östrogenähnliche Wirkung entfaltet. Die positive Wirkung gegen Hitzewallungen erfolgt offensichtlich über andere Mechanismen durch die direkte Einwirkung von Botenstoffen im Gehirn im Bereich des Temperaturregulationszentrums. Für Präparate anderer Firmen liegen keine entsprechenden Dokumentationen vor. Dies hat dazu geführt, dass in allen Beipackzetteln ausdrücklich vom Gebrauch bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs gewarnt wird. 

Die in Soja enthaltene Sojaflavone sind eindeutig den Phytoöstrogene n zuzuordnen, so dass aus logischen Erwägungen eine höher dosierte Zufuhr in medikamentöser Form problematisch erscheint.

Wissenschaftlich betrachtet ist die Fragestellung wahrscheinlich wesentlich komplexer, als hier dargestellt. So wissen wir, dass ein Hauptinhaltstoff der Isoflavone, dass sogenannte Genistein in normaler Konzentration zu einer Stimulation von Tumorzellen im Reagenzglas führen kann, bei gleichzeitiger Zugabe von Östrogenen jedoch die Östrogenwirkung verhindert wird und bei hoher Dosierung sogar eine Hemmung des Wachstums von Tumorzellen eintritt und dies unabhängig vom Rezeptorstatus, indem Genistein andere Wachstumsmechanismen von Tumorzellen (Tyrosin-Kinase) behindern kann. 

Ähnliche konzentrationsabhängige Wirkungen lassen sich bei gleichzeitiger Einwirkung des Antihormonmittels Tamoxifen nachweisen. So führen normale Konzentrationen von Genistein zu einer Hemmung der Tamoxifen-Wirkung, hohe Konzentrationen jedoch zu einer Verstärkung. Da die Bedeutung dieser Laborexperimente in der Übertragung auf die Patientin unklar ist, sollte von der Einnahme von hochdosierten Soja-Extrakten bei Patientinnen mit rezeptorpositivem Brustkrebs abgeraten werden. Die normale Zufuhr im Rahmen einer gesunden Ernährung braucht nicht eingeschränkt zu werden. 

Phytoöstrogene: Zusammenfassung:

Bei Männern ist eine sojareiche Ernährung zur Prophylaxe von Herzkreislauf-Erkrankungen und Prostatakrebs zu empfehlen. Eine gezielte Behandlung von männlichen Wechseljahrsbeschwerden mit männlichen Phytoöstrogene n ist nicht bekannt. Bei Hitzewallungen kann ein Versuch mit Salbei-Extrakt unternommen werden, bei depressiver Verstimmung kommt Johanniskraut in Frage. Auch Männer sollten eine Osteoporose durch gesunde Ernährung, regelmäßige Ernährung und ggf. Zufuhr von Calcium und Vitamin D vorbeugen. 

Auch bei der Frau ist der regelmäßige Verzehr von Sojaprodukten als günstig zu bewerten. Gezielt können Phytoöstrogene in den Wechseljahren zur Abmilderung der Beschwerden eingesetzt werden, hier sollte die Patientin ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Medikamentös höher dosierte Phytoöstrogene sollten bei rezeptorpositivem Brustkrebs vermieden werden. Hier kann, wie auch beim Mann symptomatisch auf Salbei-Extrakt, Johanniskraut etc. zurückgegriffen werden. 

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

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Aktualisiert: Juni 2010

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