HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
 Naturheilkunde und Psychoonkologie

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Pflanzenheilkunde ©  

Wechselwirkungen von Pflanzenheilkunde und sog. Schulmedizin


Bei der
Pflanzenheilkunde handelt es sich um, in der Regel aus der Erfahrungsheilkunde stammende, Anwendungen von Zubereitungen von Pflanzen und ihren Bestandteilen. Hierfür kommen in Frage Blüten, Blätter, die Rinde, kleine Stängel und Früchte der Pflanzen, aber auch die Wurzeln.

Die Zubereitungen sind vielfältig und reichen von dem direkten Genuss von Früchten über Aufbereitungen in Form von Tees hin zu Extrakten auf wässriger oder alkoholischer Basis, die entweder äußerlich oder innerlich angewendet werden können. Pflanzenextrakte werden auch für Injektions- und Infusionszubereitungen eingesetzt. 

Die Pflanzenheilkunde als sog. „natürliche“ Heilkunde genießt den Ruf einer besonders nebenwirkungsarmen Therapie. Bedenkt man jedoch, dass sich viele moderne Medikamente aus der Pflanzenheilkunde entwickelt haben, so wird deutlich, dass jede Wirkung auch potentiell mit Nebenwirkungen erkauft werden kann.

Einige der wirksamsten Chemotherapiemittel wurden aus hochgiftigen Pflanzeninhaltsstoffen gewonnen, z. B. die Wirkstoffe von Vincristin® oder Taxol®

Deshalb sind Kenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen Pflanzenheilkunde und sog. Schulmedizin wichtig. Patienten, die pflanzenheilkundliche Mittel anwenden, sollten dies mit ihrem Arzt besprechen. Ärzte, auch die Anhänger der Schulmedizin, setzen sich zunehmend mit möglichen Interaktionen und Wechselwirkungen auseinander. Statt grundsätzlich dem Patienten von der Anwendung aller naturheilkundlichen Mittel abzuraten, sollten verantwortungsbewusste Ärzte dem Patienten eine detaillierte Beratung anbieten. 

In der folgenden Tabelle möchten wir Ihnen einige mögliche Wechselwirkungen aufzeigen, diese Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann auf keinen Fall das Gespräch mit dem Arzt ersetzen.

Die Untersuchungen wurden z. T. nur im Reagenzglas oder Teilversuch durchgeführt, deshalb sind die Unsicherheiten, was tatsächlich bei gleichzeitiger Einnahme im menschlichen Stoffwechsel passiert, groß. Umso wichtiger ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit dieser Frage und bei Einsatz von pflanzlichen Heilmitteln eine genaue Abstimmung mit dem gesamten Therapiekonzept. 

Deutscher Name

Lateinischer Name

Wechselwirkungen

Bemerkungen

Knoblauch

Allium sativum

Möglicherweise Verminderung der Wirkung von Medikamenten gegen das AIDS-Virus.

Wechselwirkung mit Decarbazine möglich.

Unter Marcumar® erhöhte Blutungsgefahr.

Die gleichzeitige Einnahme mit Chemotherapeutika sollte vermieden werden, da die Wechselwirkungen noch unklar sind.

Ginkgo

Ginkgo biloba

Wirkungsverstärkung von Nifedipin

Wirkungsabnahme von Omeprazol

Wechselwirkung mit dem Abbau von Camptotecin, Cyclophosphamid, Taxanen, Etoposid, Vincaalkaloiden und EGFR-TK-Inhibitoren.

Unter Marcumar® möglicherweise erhöhte Blutungsgefahr.

Aufgrund der Radikalfängerwirkung keine gleichzeitige Einnahme mit Alkylanzien, platinhaltigen Chemotherapeutika und antibiotikaartigen Chemotherapeutika.

Aufgrund der die Blutplättchenaktivität hemmenden Wirkung des Inhaltsstoffes Ginkgolid B sollte die gleichzeitige Anwendung mit Acetylsalicylsäure, anderen nichtsteroidalen Antiphlogistika und evtl. auch Paracetamol mit dem Arzt besprochen werden.

Echinacea

Echinacea angustifolia, E. purpurea, E. pallida

Schnellerer Abbau von Midazolam

Mögliche Wechselwirkung mit Chemotherapiemitteln

Aufgrund eines möglichen verstärkten Abbaus der Chemotherapeutika sollte die gleichzeitige Einnahme mit Camptotecin, Cyclophosphamid, Etoposid, Taxanen, Vincaalkaloiden und EGFR-TK-Inhibitoren vermieden werden.

Soja und Sojaprodukte

Glyciene max

Mögliche Wechselwirkung mit der Aufnahme und Ausscheidung von Chemotherapiemitteln

 

Sägezahnpalme

Serenoa repens

Mögliche Interaktionen mit hormonellen Therapien

 

Ginseng

Panax ginseng

Schnellerer Abbau von Alkohol

Wirkungsverstärkung von Nifedipin.

Erhöhte Blutungsgefahr unter Marcumar®

Die gleichzeitige Einnahme von Camptotecin, Cyclophosphamid, Etoposid, Taxanen, Vincaalkaloiden und EGFR-TK-Inhibitoren sollte aufgrund eines möglichen verstärkten Abbaus vermieden werden.

Johanniskraut

Hypericum perforatum

Wirkungsabnahme von Alprazolam, Amytryptilin, Cyclosporin A, Digoxin, Fexofenadin, Indinavir, Irinotecan, Midazolam, Nifedipin, Phenprocoumon, Simvastatin, Tagrolimus

Wirkungsverstärkung von Koffein, Cortisol, Nevirapin

Johanniskraut verändert den Gehalt vieler Stoffwechselenzyme und von Transportproteinen für Medikamente und kann deshalb zahlreiche Wechselwirkungen entfalten. Die wenigsten sind erforscht.

Wechselwirkungen sind auch möglich mit Antidepressiva, Lipidsenkern, oralen Antikoagulanzien und oralen Kontrazeptiva.

Die gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautpräparaten und den immunsuppressiv wirkenden Substanzen Cyclosporin A und Tacrolimus kann zu einer erheblichen Verminderung des wirksamen Medikamentenspiegels führen, so dass eine Transplantatabstoßung erfolgen kann. Deshalb ist die gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautpräparaten mit diesen Medikamenten unbedingt zu vermeiden.

Traubensilber-kerze

Cimicifuga racemosa

 

Wechselwirkungen mit Substanzen der antihormonellen Therapie bei Frauen werden diskutiert.

Baldrian

Valeriana officinalis

 

Bisher keine Wechselwirkungen bekannt.

Wegen möglichem verstärkten Abbau sollte die gleichzeitige Einnahme während einer Therapie mit Cyclophosphamid und Teniposid vermieden werden.

Mariendistel

Silybum marianum

 

Bisher keine Wechselwirkungen bekannt.

Eleuterococcus (siberischer Ginseng)

Eleuterococcus senticoccus

Erhöhte Digoxinkonzentration.

 

Weißdorn

Crataegus

Mögliche Wechselwirkungen mit Digitalispräparaten.

 

Aufgrund unklarer Wechselwirkungen mit antihormoneller Therapie sollten Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs die Einnahme von Sojapräparaten und Ginsengpräparaten mit dem Arzt besprechen.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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