HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
 Naturheilkunde und Psychoonkologie

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Lebensqualität ©

Lebensqualität in der Onkologie
 

Fragt man Gesunde, was sie als Lebensqualität empfinden, so fällt es den meisten schwer, eine umfassende Antwort zu geben. Vielfach werden einzelne Punkte wie "einen guten Arbeitsplatz haben", "mit Freunden essen gehen", "am Wochenende mit den Kindern spielen" und anderes genannt.

Haben Sie schon einmal einen Patienten mit oder nach einer Krebserkrankung zu dem Thema befragt?

Vielleicht sind Sie, der Sie diesen Text lesen, auch selber erkrankt oder erkrankt gewesen und bei dem Stichwort Lebensqualität sind Ihnen viele Gedanken gekommen. 

Auf die Frage: "Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?" antwortet in Deutschland ein Großteil der Menschen als Erstes mit dem Punkt Gesundheit. Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass Kranke, insbesondere Krebskranke, schlechter leben – eine geringere Lebensqualität haben? 

Die Diagnose Krebs stellt für die meisten Betroffenen einen Einschnitt dar, der das Vertrauen in das bisher so selbstverständliche Funktionieren des Körpers erschüttert und tiefe Auswirkungen im seelischen und geistigen Bereich hat.

Sofort schießen einem Gedanken durch den Kopf wie "Muss ich jetzt sterben?", "Wie werde ich sterben?", "Muss ich Schmerzen leiden", "Werde ich ein Pflegefall?".

All diese Fragen beziehen sich auf unterschiedliche Aspekte der Lebensqualität und drücken die Befürchtung aus, dass mit der Diagnose Krebs Lebensqualität in einem erheblichen Umfang verloren geht.

Die Medizin und insbesondere die Onkologie hat in den vergangenen Jahren Großes geleistet, wenn es darum geht, unsere Patienten zu behandeln, ihr Leben zu verlängern und  sogar wieder dauerhafte Gesundheit zu schenken. Dies waren zunächst in der Medizin die großen Erfolge. Gemessen haben wir sie an Überlebensraten, 5-Jahres-Überleben, krankheitsfreiem Überleben und anderen statistisch aus Studien gut zu ermittelnden "harten Daten". 

Es kam einer Sensation gleich, als das erste Chemotherapie-Medikament nicht wegen einer Verbesserung des Überlebens, sondern wegen einer Verbesserung der Lebensqualität zugelassen wurde. Zaghaft wurde in weiteren Studien zumindest in zweiter oder dritter Linie nach Lebensqualität gefragt, und mittlerweile ist es fast schon schick, nach Lebensqualität zu fragen. Genauer betrachtet stellt diese "Lebensqualität" jedoch oft nur ein Mäntelchen dar, das Patientenzugewandtheit suggerieren soll. Ob das eine oder andere Medikament mit mehr oder weniger Nebenwirkungen oder mehr oder weniger positiver Beeinflussung von Funktionsstörungen und Folgeerscheinungen durch die Krebserkrankung einhergeht. Auch werden zunehmend Medikamente erprobt, deren primäres Ziel es ist, Lebensqualität zu erhöhen. 

Doch es nehmen die Studien zu, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen und fragen. Lebensqualität ist ein vielschichtiger Begriff und es wird vielleicht nur im ersten Moment erstaunen, dass viele unserer Tumor-Patienten eine bessere Lebensqualität haben als Spitzensportler, die sich bester Gesundheit erfreuen, aber gerade einen wichtigen Wettkampf verloren haben. 

Lebensqualität ist individuell und damit relativ. Sie beruht auf dem subjektiven Empfinden, auf dem Lebenskontext des Patienten, seiner bisherigen Lebensgeschichte, dem "Ist im Jetzt" und den Zukunftsgedanken. Es gibt Messskalen, mit denen versucht wird, die Lebensqualität beim Patienten abzufragen und sie messbar und vergleichbar zu machen. 

So bedrohlich und fürchterlich die Diagnose Krebs ist, nicht wenige Patienten schildern, dass ihnen sehr früh auch bewusst wird, dass dies die Chance auf ein anderes Umgehen mit dem eigenen Leben ist, dass diesem Leben Qualität gegeben werden kann.

Dieses Qualität-Geben ist gemeinsame Aufgabe von Patient, Arzt und anderen an der Behandlung Beteiligten sowie Beistehenden, wie Familie und Freunden. Hierbei ergibt sich für jeden Patienten eine individuelle Konstellation, in der es auch in schwierigen Krankheitssituationen gelingen kann, besondere Qualität zu schaffen. 

Lebensqualität kann nicht nach einem einheitlichen Rezept hergestellt werden. Es gehört auf Seiten der Behandler viel Einfühlungsvermögen in die Situation des Patienten dazu, um die richtigen Worte und Therapieschritte zu finden. Für den Betroffenen gehört eine Menge Mut und Kraft dazu, neue Ziele zu setzen, Teilerfolge auf dem Weg zu ihnen anzuerkennen und zu genießen. 

Die psychoonkologische Forschung kennt die Begriffe Krankheitsbewältigung (Coping) und Arbeit mit Ressourcen, die vielleicht ein bisschen von dem Weg beschreiben, den unsere Patienten gehen können. Krankheitsbewältigung bedeutet die Strategie, mit der ich mit meiner Erkrankung umgehe. Verschiedene Strategien können gleichermaßen erfolgreich sein, d.h. die Lebensqualität verbessern. Dabei mag es paradox erscheinen, dass auch negative Emotionen wie Trauer und Wut erlaubt und in einem gewissen Maße förderlich sind. Sie zulassen zu können, ist auch ein Teil der Akzeptanz nicht nur der Erkrankung, sondern auch der eigenen Persönlichkeit im Umgang mit der Erkrankung. Dies bedeutet Gewinn an Selbstbestimmtheit und Autonomie, zwei ganz wesentliche Grundvoraussetzungen für Lebensqualität. Zustimmung ist ein weiterer wichtiger Schritt hin zur Lebensqualität. Diese Zustimmung kann sich auf unterschiedliches richten kann, wie Akzeptanz der Erkrankung, Zustimmung zur Therapie, aber auch Zustimmung zur eigenen Entscheidung, einen persönlichen eigenen Weg zu gehen. 

Ressourcen sollen dabei helfen, diesen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Sie stellen Kraftquellen dar, auf die Patienten aktiv zurückgreifen können. Ressourcen gibt es unzählige verschiedene, hierzu gehören Freunde und Bekannte, ein geliebtes Haustier, die Familie, ein zuverlässiger Arzt oder Therapeut, Hobbys, Musik, Meditationen... 

Ressourcen müssen verfügbar sein, optimalerweise jederzeit oder zumindest kurzfristig eingesetzt werden können. Der Umgang mit ihnen muss erlernt und erprobt werden. 

In dem Bemühen, immer längeres Überleben und Heilungen zu erreichen, entwickelt die moderne Onkologie immer „stärkere“ Therapien. Therapiezeiten von einem halben Jahr, teilweise einem oder zwei Jahren sind normal – aber nicht nur die Dauer, auch die Intensität der Therapie nimmt zu. Statt eines Medikamentes werden Kombinationen eingesetzt. Dosierungen werden erhöht (eskaliert) oder verdichtet (d.h. sie erfolgen nach kürzeren therapiefreien Intervallen). All dies bedeutet eine zunehmende Belastung für unsere Patienten. 

Überleben auf Kosten der Lebensqualität? Nein, denn gleichzeitig entwickelt sich auch das Wissen, wie wir unsere Patienten während und nach dieser Therapie unterstützen können, was wir neben der reinen Überlebenszeit auch für die Qualität, die „Überlebensqualität“, tun können. 

Allein das Wissen um eine verbesserte Überlebenschance bedeutet viel für die Lebensqualität unserer Patienten. Die Bewertung der Lebensqualität steht immer in einem Zusammenhang. Lebensqualität existiert nur in den Lebensumständen, hat Bezug zur individuellen Lebensgeschichte, zum Jetzt mit der Erkrankung, aber auch zur Zukunft, die ich als Patient mir erschaffe. Lebensqualität ist abhängig von meinen persönlichen Maßstäben und Erwartungen. Sie ist verbunden mit meinen Gefühlen, mit der Würde meines Lebens. 

Dem Überleben Qualität zu geben, ist gemeinsame Aufgabe. Sie kann nur gelingen, wenn Ärzte, Pflegekräfte, Arzthelferinnen, Psychotherapeuten, Krankengymnasten, Masseure/Bademeister, Diätassistenten ihren Teil dazu beitragen.

Kraftquellen, Ressourcen zu erschließen ist ein wichtiger Schritt in Richtung Lebensqualität. Hierbei kann jeder, der Krebspatienten behandelt oder begleitet, helfen. Familie und Freunde, aber auch engagierte Selbsthilfegruppen sind in der Lage, "Lebens-Wert" zu schaffen.  

Das Ergebnis bleibt Stückwerk, wenn der Arzt nicht auch psychologisch denkt, handelt und redet, der Psychoonkologe nichts von Chemotherapie oder Strahlentherapie weiß, die Krankenschwester die Arbeit des Krankengymnasten nicht versteht oder der Krankengymnast nicht die Diagnose auf dem Rezept lesen kann. Überlebensqualität setzt Integration voraus.  

Während Außenstehende zur Lebensqualität beitragen können, Hilfestellungen geben und die Entwicklung begleiten können, bleibt es Aufgabe des Patienten, seine Lebensqualität zu entdecken, sich täglich um sie zu bemühen, sie zu erarbeiten, aber auch zu genießen. Leben im Hier und Jetzt – trotz aller Unsicherheit, aber auch der Mut, sich Ziele zu setzen und die eigene Zukunft zu gestalten – auch wenn dieser Gestaltung Grenzen gesetzt sind – helfen Lebensqualität zu gewinnen. Maßstäbe setzt der Patient – sie angemessen zu setzen ist ein Zeichen von Lebensweisheit, nicht nur bei Patienten mit Krebserkrankungen

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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