HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

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 Essentielle Thrombozythämie ©

Die Essentielle Thrombozythämie gehört zu den chronischen Bluterkrankungen, speziell den sog. chronischen myeloproliferativen Erkrankungen. Hierunter werden verschiedene Bluterkrankungen zusammengefasst, bei denen die eine oder andere Zellart im Blut erhöht ist. Bei einigen Erkrankungen sind auch mehrere Zellarten erhöht. Bei den Thrombozyten handelt es sich um die sog. Blutplättchen, eigentlich keine vollständigen Zellen mehr, sondern Abschnürungen von bestimmten Knochenmarkszellen, den sog. Megakaryozyten. Die Blutplättchen sind ein für die Blutgerinnung wichtiger Blutbestandteil. Zu wenig Thrombozyten können zu einer erhöhten Blutungsneigung führen. Auf der anderen Seite können bei einer deutlichen Vermehrung der Blutplättchen unerwünschte Blutgerinnselbildungen auftreten. 

Ursachen von Blutplättchenvermehrungen können Entzündungsprozesse, aber auch das Vorliegen einer anderen Tumorerkrankung sein. Dies muss zunächst ausgeschlossen werden.

Der Begriff essentielle Thrombozythämie heißt, dass es keine dieser Vermehrung zu Grunde liegende Ursache gibt. 

Die essentielle Thrombozythämie ist eine seltene Bluterkrankung, die meistens im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auftritt. Da eine leichte bis mäßiggradige Erhöhung der Blutplättchen keine Symptome oder Beschwerden macht, wird diese Erkrankung häufig bei einer Blutbildbestimmung zufällig entdeckt.

Essentielle Thrombozythämie: Folgen und Auswirkungen 

Wenn die Blutplättchen im Rahmen der essentielle n Thrombozythämie vermehrt sind, kann es bei den Patienten zu Blutgerinnselbildung in den Venen oder Arterien kommen. Insbesondere die Gerinnselbildung in den Arterien ist gefährlich, da dann das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden kann.

Entsteht ein Blutgerinnsel in einer Vene, so kann es sich am ursprünglichen Ort ablösen und mit dem Blutstrom über das Herz in die Lunge wandern, es entsteht eine sog. Lungenembolie. 

Bei einigen Patienten kommt es statt zu einer erhöhten Gerinnungsneigung auch zum umgekehrten Bild der erhöhten Blutungsneigung, da die vermehrt gebildeten Thrombozyten nicht richtig funktionstüchtig sind.

Essentielle Thrombozythämie: Diagnostik 

Bei der Diagnose der essentielle n Thrombozytämie wird zunächst die Plättchenzahl bestimmt. Die Definition sagt, dass sie über 450.000/µl ist. Meistens wird dann, wenn keine andere Ursache für die Vermehrung festgestellt werden kann, eine Probeentnahme aus dem Knochenmark (Knochenmarksbiopsie) erforderlich. Hiermit wird dann auch geguckt ob eine andere myeloproliferative Erkrankung vorliegt, die mit einer Vermehrung der Blutplättchen einhergeht.

Ganz neue Untersuchungen haben gezeigt, dass in den blutbildenden Zellen häufig eine bestimmte genetische Veränderung (sog. Mutation; JAK2-Mutation) vorliegt.

Essentielle Thrombozythämie: Therapiemöglichkeiten 

Ist die Diagnose gestellt, so muss entschieden werden, ob bei dem Patienten eine Therapie erforderlich ist. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, zielt die Therapie vor allen Dingen auf die Lebensqualität ab. Dies bedeutet, dass Komplikationen der essentielle n Thrombozytämie wie Blutgerinnselbildung oder Blutungen verhindert werden sollen. Auf der anderen Seite sollen die Medikamente nur dann eingesetzt werden, wenn sie wirklich erforderlich sind und möglichst gut verträglich sein.

Bei einer leicht- bis mäßiggradigen Erhöhung der Blutplättchen kann zunächst abgewartet werden. Bei Patienten mit einer erhöhten Thrombosegefährdung (dies sind insbesondere ältere Patienten, Patienten mit Vorerkrankungen des Herzkreislaufsystem oder vorbestehenden Thrombosen, aber auch Patienten, die rauchen oder einen Diabetes haben) muss frühzeitig über eine Therapie nachgedacht werden. 

Bei den Patienten mit Risikofaktoren sollte zunächst versucht werden, diese zu beseitigen oder möglichst zu behandeln. Dies bedeutet, dass Rauchen eingestellt werden sollte, übergewichtige Patienten sollten ihr Gewicht reduzieren, Patienten mit Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen, die zu einem erhöhten Risiko für eine Herzkreislauferkrankung führen wie z. B. zu hohen Fettwerten, sollten eine Diät einhalten, ggf. auch medikamentös eingestellt werden. 

Die spezielle Behandlung gegen die essentielle Thrombozythämie kann zum einen in der Unterdrückung der Blutgerinnung bestehen. Hier bietet es sich an, die auch bei der Behandlung von Herzpatienten eingesetzte Acetylsalicylsäure auszuwählen. In einer niedrigen Dosierung von 100 mg hemmt ASS die Verklumpung der Blutplättchen bei der Blutgerinnung. ASS darf deshalb nicht gegeben werden, wenn bereits eine erhöhte Blutungsneigung besteht.

Eine weitere Nebenwirkung von ASS ist (in der niedrigen Dosierung allerdings selten) die Entstehung einer Magenschleimhautentzündung oder sogar eines Magengeschwürs

Die andere Therapiemöglichkeit besteht darin, ein Medikament einzusetzen, das die Zahl der Blutplättchen vermindert. Über lange Jahre bewährt hat sich das Chemotherapiemittel Hydroxyurea. Hydroxyurea hemmt allerdings auch die Bildung anderer Blutzellen im Knochenmark (Erythrozyten rote und weißen Zellen). Hydroxyurea ist in Tablettenform verfügbar und muss vom Patienten regelmäßig eingenommen werden. In letzter Zeit wird diskutiert, dass eine langjährige Einnahme zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung anderer bösartiger Erkrankungen wie z. B. Leukämien führt. Aus diesem Grund wird Hydroxyurea heute zurückhaltend und vor allen Dingen nur ungern bei jüngeren Patienten eingesetzt. 

Ein weiteres altbewährtes Medikament ist Interferon, ein Botenstoff, der natürlich auch im Körper vorkommt. Als Nebenwirkungen treten grippeähnliche Beschwerden, Abgeschlagenheit und Müdigkeit auf. Zum Teil kommt es auch zu Depressionen. Sinnvoll ist es, Interferon abends vor dem Zubettgehen zu spritzen, da dann bis zum nächsten Morgen häufig die Symptome der Müdigkeit abgeklungen sind. 

Das modernste Medikament gegen die essentielle Thrombozythämie ist Anagrelid, ebenfalls ein Medikament, was in Tablettenform zur Verfügung steht. Anagrelid hemmt die Bildung der Blutplättchen im Knochenmark, ohne die übrige Blutbildung zu stören. Es ist kein Chemotherapiemittel. Leider treten auch hier Nebenwirkungen auf wie Kopfschmerzen, Durchfälle, Bildung von Ödemen oder Schwindelerscheinungen. Um eine bessere Verträglichkeit zu erreichen, ist es sinnvoll, die Dosis langsam einzuschleichen und an die Blutbildwerte anzupassen.

Welche Therapiemöglichkeiten bietet die Naturheilkunde bei essentielle r Thrombozythämie?

Die Vermehrung der Blutplättchen kann mit naturheilkundlichen Mitteln nicht direkt bekämpft werden.

Allerdings bietet die Naturheilkunde viele Möglichkeiten, Patienten mit einer ET zu unterstützen. Um z. B. die Gefährdung der Thrombosebildung durch Herzkreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen zu reduzieren, sind eine gesunde Ernährung und regelmäßiger Sport als Grundelemente der Naturheilkunde ganz wesentliche Unterstützungen für unsere Patienten.  

Müssen Medikamente wie Hydroxyurea, Interferon oder Anagrelid eingenommen bzw. gespritzt werden, so kann man versuchen, einige der auftretenden Nebenwirkungen mit naturheilkundlichen Behandlungsmethoden zu verbessern.

Die grippeähnlichen Symptome unter Interferon, insbesondere Muskel- und Gelenkbeschwerden, können mit pflanzlichen Rheumamitteln auf der Basis von Weidenrindenextrakt oder Teufelskralle gelindert werden. Auch hier hilft regelmäßiger Sport und eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Patienten, die nicht kräftig genug sind, um regelrechten Sport zu machen, können durch Krankengymnastik oder auch leichte Übungen wie z. B. beim Tai Chi Erleichterung erfahren. 

Gegen Müdigkeit und Konzentrationsschwäche helfen die beiden altbewährten Pflanzenheilstoffe Ginseng und Ginkgo.

Bei Depressionen durch Interferon hat sich Johanniskraut bewährt. Zwar wird bei Johanniskraut vor den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gewarnt, jedoch ist keine Wechselwirkung mit Interferon zu befürchten. Mit den anderen beiden Mitteln sollte es aber nicht kombiniert werden.

Die Nebenwirkungen von Anagrelid, insbesondere Durchfälle und Ödembildungen, können durch schulmedizinische Medikamente behandelt werden. In leichteren Fällen reicht aber auch ein Versuch, Durchfälle z. B. mit geriebenem Apfel oder Einnahme von Pektinen zu bessern. Bei der Ödembildung kann Spargelextrakt, welcher in Kapseln erhältlich ist, hilfreich sein. Schwindel und Herzklopfen werden oft durch Krankengymnastik und Sport besser, und einige Patienten verspüren Erleichterung durch eine Akupunktur die auch gegen Kopfschmerzen wirken kann.  

Die gezielte Behandlung von Nebenwirkungen der Therapie der essentielle n Thrombozythämie durch naturheilkundliche Mittel wurde bisher nicht in wissenschaftlichen Studien überprüft. Die hier wiedergegebenen Empfehlungen stammen aus der klassischen Pflanzenheilkunde bzw. Naturheilkunde. Wir haben sie darauf überprüft, dass sie keine negativen Auswirkungen auf den Therapieerfolg haben können.

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 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

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Aktualisiert: Juni 2010

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